Forum Digitalisierung der ELK-WUE: Die „Guten“ fangen an, das Internet zu nutzen

Forum Digitalisierung der ELK-WUE: Die „Guten“ fangen an, das Internet zu nutzen

 

 

 

 

 

Vor kurzem schrieb Jan Böhmermann folgenden Tweet:

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Diesen Tweet könnte man passend zur Veranstaltung „Forum Digitalisierung“ der Evang. Landeskirche Württemberg (#elkwuedigital) erweitern:

„Die Feinde gesellschaftlicher Werte wie Toleranz, Zusammenhalt und Nächstenliebe nutzen das Internet, die (institutionellen) Vertreter ebendieser Werte noch nicht.“

Vor diesem Hintergrund war das „Forum Digitalisierung“ der Evangelischen Landeskirche mit den Keynote-Speakern Dirk von Gehlen von der SZ (Buch: Das Pragmatismusprinzip) und Peter Schreiner, dem Leiter des Comenius-Instituts, eine Veranstaltung, die Hoffnung macht(e).

Endlich wird die Digitalisierung in Kirchenkreisen nicht mehr nur unter dem Aspekt der Gefahren und Probleme diskutiert. Bisher waren Veranstaltungen dieser Art tendenziell eine Ansammlung von Menschen, die beklagen, dass bestimmte Werte in der Gesellschaft verloren gingen und die Kirchen einen Bedeutungsverlust erlitten.

Dirk von Gehlen fragte dann auch anschaulich am Beispiel der deutschen Autoindustrie, die verpasst habe, dass ihr Bereich sich nun hauptsächlich um Software dreht (am Beispiel des Software-Problems „Dieselskandal“), was die „Software“ der Kirchen sei. Dieser Aufruf wurde dankend aufgenommen.  Auch Peter Schreiner, Leiter des Comenius-Instituts in Münster, rief dazu auf, die positiven Werte der Digitalisierung wahrzunehmen und gestalten zu wollen.

Sichtbar wurde dies bereits an Verfahren und Methoden (wie z. B. Ethical Design Sprints), aber auch an grundsätzlichen Haltungsfragen. Schulen – und Bildungsinstitutionen insgesamt – werden mehr und mehr als Transmissionsriemen in Fragen der Gestaltung von Gesellschaft wahrgenommen, nicht nur als Empfänger vorgegebener (und teils nicht ausdiskutierter!) gesellschaftlicher Erwartungen. Dirk von Gehlen wies darauf hin, dass Fake News hauptsächlich von Männern über 60 verbreitet würden, die man über Bildungsprozesse nicht mehr erreicht. Es muss also weit vorher die Konfrontation mit anderen Perspektiven als grundlegende Aufgabe von Schule und Gesellschaft geschehen, gleichzeitig Ambiguitätstoleranz und der Umgang mit Graubereichen eingeübt werden. Zentrale Verhandlungszone sind die Bildungsinstitutionen.

Warum gelingt uns dies manchmal in Deutschland nicht so gut? Dirk von Gehlen meint, die aktuelle Nostalgie, die man vor allem in der Medienbranche spürt, rühre daher, dass man in den 90ern noch Geld verdient habe, und sich die Rahmenbedingungen nun grundlegend geändert hätten. Man sei vielleicht im Westen insgesamt zu satt geworden. Übertragen auf den Bildungsbereich geht es sicherlich vielen Lehrerinnen und Lehrern ebenso, dass ihre Kompetenzen gefühlt entwertet werden, und von ihnen eine Reaktion auf den Leitmedien- und damit auch Paradigmenwechsel erwartet wird.

Es bleibt sicherlich die Aufgabe, Menschen in Bildungsinstitutionen zu stärken, Ihnen zu verdeutlichen, dass Ihre Perspektiven sehr wertvoll für auch grundlegend veränderte Lernsettings sein können und auch sein werden. Und dass es gleichzeitig notwendig ist, dass man sich bewegt, damit Schule und auch bestimmte gesellschaftliche Werte, die uns gemeinsam wichtig sind (oder sein sollten?) nicht an Relevanz verlieren.

Packen wir’s an.

Hier geht es übrigens noch zum offiziellen Bericht. Angeblich soll die Vorträge dann in Kürze auch noch als Video geben. Es lohnt sich.

 

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