Schulentwicklung: Die Schlussklausur als Abrundung des Schuljahres

Wie führt man eine Schlussklausur für das gesamte Kollegium am Ende des Jahres ein und wie kann man sie sinnvoll inhaltlich gestalten?

Diese Fragen werden und häufig gestellt, von Hospitanten bei uns im Hause, über die sozialen Netzwerke, auf Foren und in diversen Netzwerken. Seit fast 15 Jahren haben wir an unserer Schule eine Jahresschlussklausur; sie ist ein wesentlicher Teil unserer Schulentwicklungsarbeit.

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Die Comburg, Schwäbisch Hall

Alle 2 Jahre verlassen wir dafür das Gelände und fahren an einen schönen Tagungsort mit max. 1,5 Fahrtzeit (Bad Wildbad, Comburg, Heiligkreuztal). Das jeweils andere Jahr bleiben wir vor Ort und gestalten einen gemütlichen, gemeinsamen Abend an der Schule. Das Programm umfasst praktisch immer folgende Elemente in unterschiedlicher Reihenfolge:

  • Dank und Rede der Schulleitung
  • Feedback für das Schulleitungsteam
  • Rückblick auf das vergangene Schuljahr (z. B. mit einer SWOT-Analyse): Hier wird auch auf oft sehr schnell zu behebende Probleme aufmerksam gemacht
  • Ein pädagogisches Leitthema, an dem weitergearbeitet wird
  • Zeit für die Übergabe von Klassen (gerade im Hinblick auf besondere Schülerinnen und Schüler)
  • Gemütliches Beisammensein am Abend (wichtiges Ventil!)
  • Ausblick auf das kommende Schuljahr

 

Folgende Elemente waren bereits Teil der Schlussklausur, sind es aber nicht immer:

  • Eltern und/oder Schülerinnen und Schüler als Referenten
  • Experten von außen
  • Fachbereichssitzungen (vor allem in der Umsetzung des aktuellen Bildungsplans)

 

Die Schlussklausur wurde im Rahmen einer krisenhaften Situation im Kollegium eingeführt: Es war das Bedürfnis und die Bereitschaft da, etwas für die Gemeinsamkeit zu tun. Die Fehler der Vergangenheit wurden dabei gemeinsam mit der damals neuen Schulleitung aufgearbeitet und der Rahmen für die Zusammenarbeit neu gesetzt. Gleichzeitig glaube ich nicht, dass es dieser Situation bedarf, um so eine Klausur zu installieren.

In Baden-Württemberg endet das Schuljahr (meistens, nächstes SJ ist die einzige Ausnahme) immer an einem Mittwoch. Wir sind an der Privatschule so frei, unseren pädagogischen Tag auf ebendiesen Tag zu legen. So haben unsere Schülerinnen und Schüler bereits am Dienstag, also einen Tag vor Ferienbeginn, frei. Wir Lehrerinnen und Lehrer tagen dann von Dienstag auf Mittwoch und beenden unser Schuljahr gemeinsam, und zwar am Mittwoch nachmittag.

Bezahlt wird die Tagung von der Schule (bis auf die Getränke). Dafür sind je nach Tagungsstätte ca. 80-100 Euro einzuplanen, exklusive Busfahrt. Jahrelang haben wir diese Veranstaltung im Rahmen der „Wunschkurse“ durch das Land Baden-Württemberg bezahlt bekommen. Inzwischen werden Privatschulen hier nicht mehr gefördert. Eine öffentliche Schule hat in unserem Bundesland also immer die Gelegenheit, eine solche Veranstaltung gefördert zu bekommen.

(Dieser Artikel wird auf Nachfrage erweitert)

 

 

 

Was Schulen für zeitgemäßen Unterricht wirklich brauchen

Hier meine aktuelle Kolumne für das „Deutsche Schulportal“. Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrerinnen und Lehrer sollten sich nicht ihrer pädagogischen Kernkompetenz berauben, sondern diese im Gegenteil im Digitalisierungsprozess aktiv einbringen, damit nicht Technikunternehmen bestimmen, was und wie in Zukunft an Schulen unterrichtet wird.

https://deutsches-schulportal.de/stimmen/die-zukunft-der-paedagogik-darf-nicht-google-gehoeren/

 

 

Ein Innovationsfonds für Schulentwicklung

Es ist eine Frage, die mich seit geraumer Zeit umtreibt. In einer sich radikal wandelnden Gesellschaft bewegt sich die (Kultus-)Bürokratie wie in schwerer Tanker. Egal, wie agil Schulen und andere Bildungsinstitutionen reagieren wollen, der Rahmen, in dem sie sich bewegen, ist alles andere als agil gestaltet und so nicht nur unflexibel, sondern auch (zu) langsam für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts.

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Schule könnte schneller auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren

Inhaltliche und formale Vorgaben gleichzeitig

Die Vorgaben der Kultusbürokratie sind immer noch sehr eng; im Rahmen der Kompetenzorientierung hätte sich die Chance ergeben, Inhalte und Umsetzungsvarianten flexibler zu gestalten und stärker vom Output her zu kontrollieren. Bisher hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Ein Beispiel: Die KMK legt für das Abitur gemeinsame Standards und Inhalte fest und entwickelt sogar einen gemeinsamen Aufgabenpool, gleichzeitig wird immer noch die Form kontrolliert (z. B. müssen es 2 Jahre Kursstufe sein, nicht mehr, aber auch nicht weniger).

Wie öffnet man ein solches System? 

Die Lösung könnte ein Innovationsfonds sein, bzw. besser noch: mehrere. Denn ein System, das sich mit dem Lernen beschäftigt, muss selbst ein lernendes System sein wollen. Dies gelingt durch die Ermöglichung von Schulversuchen (auch auf KMK-Ebene) und auch auf Landesebene – die Expertise vor Ort wird genutzt und multipliziert. Auch das Scheitern gehört dazu und kann weiterhelfen. Natürlich gibt es Schulversuche bereits, allerdings finden diese nur in sehr begrenztem Rahmen statt und sind stark reglementiert. Auf KMK-Ebene finden praktisch keine Anträge statt, weil sich die Bundesländer dadurch exponieren und sich im föderalen Kuhhandel Nachteile einhandeln. Ein Innovationsfonds könnte die Ebene unter dem Schulversuch gestalten helfen.

Skizze eines Innovationsfonds

  • Das Kultusministerium stellt einen bestimmten Betrag bereit und ermöglicht Schulen, sich für den Fonds zu bewerben.
  • Zugelassen sind ausschließlich pädagogisch-didaktische Innovationsversuche. Die Erweiterung oder Aktualisierung der Ausstattung o.ä. ist damit ausgeschlossen.
  • Der Betrag ist zu 2/3 von den Schulen frei zu verwenden für zeitliche Ressourcen, Hospitationen (im Ausland), Tagungen, Austausch mit anderen Schulen etc.
  • 1/3 des Betrages ist gebunden an die obligatorische Multiplikation der Idee, und zwar als Fortbildung für interessierte Schulen. So entsteht nicht nur Expertise vor Ort, sondern ein echtes Bottom-up-System zur Innovation.

Kritik

Natürlich kann man kritisieren, dass Schulen, die organisatorisch und personell besser aufgestellt sind, auf diese Weise wieder schneller an Ressourcen kommen und sich Ungleichheit verstärkt. Andererseits ist es eine Frage der Förderkriterien, genau diese benachteiligten Schulen im Blick zu haben. Es geht nicht um Eliteschulen, es geht nicht um Leuchttürme, sondern um ein Lernen des Systems. Dadurch muss der Austausch der Schulen einen Raum bekommen.

Diesen Raum füllen bisher Initiativen wie Blick über den Zaun, Innovationslabore der Deutschen Schulakademie (Robert-Bosch-Stiftung) oder Schulen im Aufbruch. Und sie tun das nicht schlecht. Was fehlt, ist die Durchsetzungskraft der Ideen – und da braucht es dringend die Anbindung an, nein mehr, die Unterstützung der Kultusministerien bzw. der KMK.

(Eine) Diktatur des Datenschutzes

… herrscht im Bildungssystem, schrieb ich hier für das Deutsche Schulportal.

Ich freue mich schon auf Juristen, die mir vorwerfen, dass ich ein Grundrecht in Frage stelle. Das tue ich nicht, aber ich fordere eine Debatte über die Gewichtung von konfligierenden Grundrechten – hier: Datenschutz und Bildung.

Eine kleine Präzisierung: In der Einführung wirkt es so, als sei die Europäische Datenschutzgrundverordnung das Problem. M.E. löst diese viele Unklarheiten. Nun ist es an den Bundesländern, endlich den Schulen ein Arbeiten im digitalen Zeitalter zu ermöglichen, indem Datenschutz klar geregelt ist und Spielräume zum Arbeiten lässt. Dazu zählt auch, sich um Verträge mit Anbietern zu kümmern und dies nicht einzelnen Schulen aufzubürden.

Was zeitgemäße Bildung verhindert

Gestern entbrannte eine heftige Datenschutz-Debatte bei Twitter, ausgelöst von einer Sendung bei Deutschlandfunk Kultur zur Frage „Facebook und Co: Wie können wir unsere Daten besser schützen?“ Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer meldeten sich beim Sender, auch ich, und zwar mit der gegenteiligen Perspektive, dass nämlich zu viel Datenschutz verhindern kann, dass wir in Bildungskontexten ein Bewusstsein für das Thema entwickeln.

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Jan Hambsch hat das Dilemma im Laufe der Debatte bei Twitter dann an einem Beispiel sehr anschaulich beschrieben. Danke dafür!

Leider wird man als Kritiker an der aktuell geltenden Form des Datenschutzes (vor allem in seiner Komplexität und Intransparenz für im Bildungssystem Handelnde) schnell in die Ecke gestellt, keinen Datenschutz zu wollen. Das ist nicht der Fall, aber man muss ansprechen können, dass eine riesige Lücke zwischen Rechtsrahmen und gelebter Praxis bzw. auch den Anforderungen laut Bildungsplan bzw. KMK-Vorgaben besteht – und zwar in der Schule eigentlich schon länger. Das betrifft Filmvorführungen, Kopien, Einsatz von Bildern uvm. Dieses Problem wird in der Digitalisierung potenziert.

Peter Schaar von der Europäischen Akademie für Informationsfreiheit und Datenschutz antwortete, dass das Problem nicht im Datenschutz liege, sondern in der fehlenden Unterstützung der Schulen zum Thema, womit er auch Recht hat. Wenn allerdings Regelungen so komplex sind, dass sie nicht mehr verständlich sind, dann werden die Regeln selbst auch zum Problem, weil die Umsetzung im Alltag misslingen wird. Axel Krommer wies darauf hin. Wenn gebetsmühlenartig darauf verwiesen wird, dass es doch ein ganzes Jahr Vorlauf zur DSGVo gab, dann frage ich mich, warum immer noch keine verständlichen Informationen für Schulen vorliegen. Hier sind Kultusministerien und Datenschutzbehörden in der Pflicht.

Gleichzeitig bedeutet die Debatte über Datenschutz nicht, dass es nicht andere Hinderungsgründe für Zeitgemäße Bildung gibt, die eindeutig weiter oben in der Hierarchie der Herausforderungen stehen:

  1. Haltung der Lehrerinnen und Lehrer:  Wenn man der Ansicht ist, dass die aktuell vorherrschende Form der „Unterrichtung“ Kinder und Jugendliche auf eine sich radikal ändernde Welt vorbereitet, dann wird sich kein zeitgemäßes Lernen entwickeln.
  2. Zusammenarbeit: Gelungene Schulentwicklungsprozesse mit Kolleginnen und Kollegen, Eltern und Schülerinnen und Schülern, um gemeinsam Veränderungen anzustoßen.
  3. Ausstattung: Der Digitalpakt für Deutschland hängt seit 2016 in der Luft, ist jetzt immerhin am Horizont zu sehen, auch wenn die Finanzierung von Geräten der Schülerinnen und Schüler damit immer noch nicht gesichert ist.
  4. Prüfungsformate: Es ist absurd, dass das Internet im ganzen Leben zur Verfügung steht, die Prüfung sich vom „Real Life“ allerdings immer weiter entfernt und immer künstlicher wird, indem der Zugriff auf das geballte Wissen der Welt verboten wird und die Filter und Recherchekompetenz der Schülerinnen und Schüler dadurch auch nicht im Unterricht ausgebildet wird.

(Diese Liste ist alles andere als vollständig, mir geht es um die Einordnung der Datenschutzdebatte.)

 

Ansätze der Auflösung des Dilemmas zwischen Datenschutz und zeitgemäßer Bildung bedeuten zunächst nur, dass man denen, die sich für Innovation im Bildungssystem einsetzen, die Möglichkeit dazu nicht nimmt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

 

 

Was mir als Lehrer wichtig ist (April 2018)

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Über die letzten 10 Jahre haben sich einige Prinzipien herausgebildet, die mir wichtig sind. Ich bin Lehrer, weil ich Schülerinnen und Schüler befähigen möchte, selbstständig Entscheidungen für ihr Leben zu treffen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen (auch im Sinne der Gestaltung der Gesellschaft). Ich möchte Lust machen auf die lebenslange Neugier, genannt das Lernen. Ich versuche möglichst oft aus diesen Floskeln Konkretes werden zu lassen.

(Diese Liste ist unsortiert, offen und wird bestimmt regelmäßig aktualisiert)

  1. Als Lehrer bin ich Vorbild für meine Zielsetzungen: Ich bin neugierig, gehe offen mit Nicht-Wissen um, gestehe Fehler ein, hole mir Feedback und hinterfrage mich selbst. Ich versuche, diese Entwicklungsbereitschaft in jede Stunde einfließen zu lassen. Es gelingt nicht immer.
  2. Fehler sind Lernanlässe: Es wird nicht akzeptiert, dass über Fehler der Mitschülerinnen und Mitschüler gelacht wird. Manchmal danke ich für bestimmte Fehler.
  3. Im Klassenzimmer herrscht eine konstruktive Feedbackkultur. Jede Leistung (auch meine eigene) muss sich einem kritisch-konstruktiven Feedback stellen, wobei die „Schatzsuche“ nach guten Aspekten immer am Beginn steht und die Kritik nur in Form von konkreten Verbesserungsvorschlägen geäußert wird.
  4. Unterrichtsplanung muss aus der Schülerperspektive erfolgen: Hätte ich als Schüler oder Schülerin selbst Lust darauf? Was würde mir daran Freude bereiten? Warum genau muss ich Notwendiges (und damit ggf. Langweiliges) machen? Was ist der Nutzen? Was hat der Inhalt mit meinem Leben zu tun?
  5. Jede Stunde muss sich der „so what?“-Frage stellen: Was soll das Ganze? Wofür ist das wichtig? Der Verweis auf den Bildungsplan reicht nicht.
  6. Beteiligung der Schülerinnen und Schüler bei der Themen- und ggf. sogar Methodenwahl ist unerlässlich. Das motiviert und ist gelebte Demokratie.
  7. Der Unterricht kann daher auch nicht Wochen im Voraus geplant werden, weil ich (noch) nicht weiß, wo wir vertiefen bzw. was noch gelernt werden muss und will.
  8. Der Bildungsplan ist wichtig und interpretierbar.
  9. Projekt- und produktbezogener Unterricht kann Kräfte in Schülerinnen und Schülern freisetzen, die jedes Mal begeistern.
  10. Die Leistungsbewertung ist nicht alleine Sache des Lehrers bzw. der Lehrerin: Es braucht immer eine Form der kriteriengestützten Selbstreflexion. Das Eigenurteil der Schülerinnen und Schüler hat eine Bedeutung und ist Teil der Besprechung der Noten.
  11. Zur Leistungsbewertung wird nicht allein das Ergebnis herangezogen, sondern ebenso (wo möglich) der Prozess dorthin.
  12. Wenn ich Schülerinnen und Schüler ernst nehme, dann vertraue ich ihnen: Sie brauchen daher nicht zu fragen, ob sie aufs Klo gehen dürfen; wenn sie zu spät kommen, gehe ich davon aus, dass sie einen guten Grund haben (den sie mir gerne am Ende der Stunde nennen dürfen, wenn sie das Bedürfnis haben).
  13. Wer die Hausaufgaben nicht hat, hat die Entscheidung für etwas anderes getroffen. Das ist grundsätzlich in Ordnung und hat keine disziplinarischen Folgen (allerdings ggf. sehr wohl für die kommende Klausur, weil die Übung fehlt). In der Zeit der Hausaufgabenbesprechung profitiert der- oder diejenige nicht von der Arbeit, verlässt das Klassenzimmer und holt die Arbeit dort nach und kann die Ergebnisse später vergleichen.
  14. Ich setze Signale, dass sich Anstrengung lohnt: Der Notenschnitt einer Arbeit wird grundsätzlich zweimal an die Tafel geschrieben; der Schnitt derjenigen, die freiwillig einen Text eingereicht haben oder sich anderweitig Feedback geholt haben, und der Schnitt der anderen.
  15. Ich bin grundsätzlich gut über verschiedene Kanäle erreichbar und helfe gerne. Am Wochenende und über manche Ferien habe ich auch einmal Kontaktpause. Auch das sollen Schülerinnen und Schüler lernen und für sich adaptieren.
  16. Ohne ein grundlegendes Verständnis über den Digitalisierungsprozess kann ich heutzutage nicht Gesellschaft verstehen und gestalten. Daher kommt dieser Themenkomplex in seinen Facetten häufig als Beispiel vor. Bis zu welchem Grad Programmierkenntnisse Voraussetzung dafür sind, darüber bin ich mir noch unschlüssig.
  17. Ich bin mir bewusst, dass sich meine Rolle als Lehrer derzeit radikal ändert: Vom Wissensvermittler hin zum Lerncoach, Vorbild als Lerner und Organisator von selbstbestimmten Lernprozessen. Als reinen „Lernbegleiter“ sehe ich mich derzeit nicht, dieses Bild vom Lehrer ist mir zu passiv.
  18. Ich bin überzeugt, dass Wissen als Orientierungswissen weiter eine große Rolle spielt, um selbstständig weiter zu lernen. Z. B. sind Fake News ohne Wissen gar nicht identifizierbar; ich fange gar nicht erst an zu recherchieren, wenn mir nichts komisch vorkommt.
  19. Schule ist zu oft defizitorientiert. Ich korrigiere immer auch in grün, um Positives hervorzuheben. Unsere Schülerinnen und Schüler können so viel; dies zu sehen stärkt sie.

(to be continued)

Fast zwei Jahre Zusammenarbeit mit OneNote

Ein ungefilterter Erfahrungsbericht von zwei Schülerinnen aus dem 4-stündigen Gemeinschaftskunde-Kurs, denen ich hiermit für ihr ehrliches Feedback und ihre Mühen von Herzen danken möchte! Sie haben diesen Beitrag geschrieben, obwohl sie gerade mitten in der Abiturvorbereitung stecken.

22 Uhr. Schnell noch meine Tasche packen bevor ich schlafen gehe. 

Welche Fächer habe ich morgen denn überhaupt? Welche Ordner muss ich mitnehmen? Welche Bücher brauche ich? Also Mathe: Taschenrechner und Mathebuch in die Tasche. Deutsch: Lektüren einpacken. GK: Grundgesetz, Buch und die Materialien der letzten Unterrichtsstunde…Ach Quatsch! Ich brauch doch nur mein iPad. 

So ungefähr sieht unser (SchülerInnen des GK 4-stündig Kurses) Gedankengang aus. Unser Gemeinschaftskundebuch wird durch ein digitales Schulbuch ersetzt. „Microsoft OneNote“ ermöglicht uns, unsere Materialien und Unterrichtsergebnisse zu sammeln, sowie sie mit unseren Mitschülern zu vergleichen. Unser dort aufzufindendes Kursbuch ist in drei Teile aufgeteilt. Die schreibgeschützte „Inhaltsbibliothek“ beinhaltet unsere Arbeitsblätter, welche nur als Vorlage dienen und ausschließlich von Herrn Förtsch hochgeladen und bearbeitet werden können. Jedoch finden wir die Arbeitsblätter aus der „Inhaltsbibliothek“ auch in unseren „Handzetteln“. Diese individuelle Sektion kann ausschließlich von jedem selbst, sowohl mit seinen persönlichen Notizen als auch mit Hausaufgaben ergänzt werden. Die Möglichkeit, Unterseiten zu erstellen, ermöglicht uns ein klar strukturiertes und organisiertes Arbeitsfeld. In der letzten und dritten Sektion „Zusammenarbeit“ werden die Ergebnisse von Gruppenarbeiten gesammelt, synchronisiert und damit zugänglich für alle gemacht. So entsteht die Möglichkeit bei Gruppenpräsentationen den Präsentierenden seine volle und aufrichtige Aufmerksamkeit zu schenken und hinterher die von der Gruppe kompakt zusammengefassten Ergebnisse durchzuschauen.

Im Lauf der knappen zwei Jahre in denen wir mit „Microsoft OneNote“ gearbeitet haben, lernten wir nicht nur die Vorteile eines „digitalen Unterrichts“ kennen, sondern wurden auch derweilen mit kleineren Problemen konfrontiert. Nachdem wir uns zu Beginn der Kursstufe eher unsicher waren, wie ein Unterricht ohne Papier und Stift funktionieren kann, wurden wir im Lauf der Zeit belehrt, welch immense Vorteile die Nutzung von digitalen Medien im Unterricht haben kann.

Zunächst einmal war ein MacBook oder ein iPad im Unterricht in der Hinsicht praktisch, da man am Abend zuvor lediglich das Gerät in die Tasche stecken musste. Man hatte nicht die Sorge, Materialien der letzten Stunden vergessen zu haben. Des weiteren war das Kursbuch ein optimales Arbeitsfeld für Gruppenarbeiten. Während der Vorbereitung auf eine größere Präsentation konnten wir uns verschiedene Unterseiten erstellen und diese mit verschiedenen Notizen, Videos und Bilder ergänzen. Auch außerhalb des Unterrichts konnten wir dann gemeinsam unsere Seiten bearbeiten und Zeitpläne o.ä. erstellen. Digitale Medien sind in Gemeinschaftskunde auch bei Unterrichtseinheiten zu aktuelleren Themen sehr hilfreich. Falls uns ein Begriff unklar war oder wir uns über etwas nochmal genauer informieren wollten, konnten wir unsere Geräte problemlos dafür verwenden.

Die Probleme, welche während der Arbeit mit „Microsoft OneNote“ entstanden sind führen letztendlich auf technische Probleme an unserer Schule zurück. Funktionierte das WLAN in der Schule nur bedingt oder gar nicht, erwies sich die Gestaltung des Unterrichts eher schwieriger. Dieses Problem konnte jedoch insofern umgangen werden, dass wir das Kursbuch bereits am Vorabend synchronisierten, so dass alle Unterrichtsmaterialien am nächsten Tag sofort verfügbar waren. Ein weiteres Problem, welches sich für uns ergab, trat hauptsächlich während der Vorbereitung auf eine Klausur auf. Zwar handelt es sich hier um ein individuelles Befinden, jedoch war für uns die Vorbereitung auf eine Klausur mit fast ausschließlich einem digitalen Medium eher ungewohnt. Seit Beginn der Schulzeit war man daran gewohnt seine Materialien, in Form von Blättern zu haben. Deshalb war es nunmehr eine größere Umstellung die Lernsachen in digitaler Form zu haben.

Rückblickend auf die zurückliegenden eineinhalb Jahre und vorausschauend auf die noch kommenden, wenigen Monate in denen wir mit „Microsoft OneNote“ gearbeitet haben und arbeiten werden, lässt sich sagen, dass die Arbeit mit „Microsoft OneNote“ in dem Unterrichtsfach Gemeinschaftskunde von Vorteil war und ist. Der erstmalige Versuch einen „digitalen Unterricht“ zu gestalten, hat sich unserer Meinung nach als erfolgreich bewährt und wir würden jederzeit gerne wieder ein Teil solchen Unterrichts sein.

(Katinka und Naomi, Kursstufe 2c, Evangelisches Firstwald Gymnasium Mössingen)

Entwurf: Projektvereinbarung „Zeitgemäß Lernen“

In einer Runde aus interessierten Eltern, Schülerinnen und Schülern und Lehrern haben wir die gegenseitigen Erwartungen formuliert und diese anschließend in eine Projektvereinbarung überführt. Diese ist noch in Arbeit, und wird noch weiter verfeinert, hier ein erster Einblick:

 

Die Schule… 

  • sorgt für einen altersgerechten Zugang ins Internet (z. B. durch Webfilter) 
  • sensibilisiert im Rahmen des Methoden- und Mediencurriculums für ethische Fragestellungen zum Umgang mit Medien (Verantwortung, Mobbing, Gefahren im Netz) 
  • stellt eine Lernplattform bereit, die geräteübergreifend nutzbar ist und die Anforderungen des EU-Datenschutzes erfüllt. 
  • sorgt für Auflademöglichkeiten und einen sicheren Aufbewahrungsort für Geräte 
  • (Versicherungsschutz) 
  • kümmert sich um die schrittweise Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer und den zunehmenden Einsatz der neuen technischen Möglichkeiten im Unterricht. 
  • kümmert sich um den Kauf und die Einführung (für Schülerinnen und Schüler und Eltern) in das für den Jahrgang gewählte Gerät. 
  • Fördert im Rahmen des Projekts die Anschaffung des Geräts mit € 200,- und stellt bei Bedarf weitere Mittel über den Sozialfonds bereit (Antrag nötig). 
  • Bietet den Eltern Fortbildungsangebote. 

 

Die Eltern… 

  • finanzieren einen Teil des Geräts mit einer Höchstsumme von 250,- 
  • Sind bereit, sich auf die Lernplattform einzulassen (EU-Datenschutz) 
  • schließen die WGV-Zusatzversicherung von €1,- als grundlegenden Versicherungsschutz ab (Schadensersatz nach Zeitwert, max. € 300,- vgl. WGV-Bedingungen 5.2.2.2) und erweitern diesen bei Bedarf um eigenen Versicherungsschutz (Diebstahl, Eigenverschulden etc.) 
  • tragen die Anschaffung eines einheitlichen Gerätes mit, damit keine Zweiklassengesellschaft entsteht und die Nachhaltigkeit gesichert ist  
  • sind als Pädagogen zuhause bereit, sich bei Bedarf fortzubilden, um dem (digitalen) Wandel der Gesellschaft gerecht zu werden 
  • sind bereit, sich über das Pilotprojekt zu informieren und im zeitlich möglichen Rahmen in das Forum Schulentwicklung und Elterngremien einzubringen. 
  • geben den Beteiligten des Projekts die nötige Zeit und den Raum, um Herausforderungen zu bewältigen (z. B. durch gesammelte Rückmeldungen über einen längeren Zeitraum, vierteljährliche Treffen) 
  • vertrauen ihren Kindern bei der Nutzung und im sorgfältigen Umgang mit den Geräten 
  • sind bereit, ihren Kindern zu helfen (oder Hilfe zu organisieren) 

 

Die Schülerinnen und Schüler 

  • beachten die Schülervereinbarung (besonders bez. Foto- und Videoaufnahmen) 
  • gehen respektvoll mit der Technik um („mein Arbeitsgerät“) 
  • Warten das Gerät selbst (Updates, Aufladung, Reinigung) 
  • zeigen Eigenverantwortung im Umgang mit dem Gerät in Bezug auf Nutzungszeiten und Nutzungsarten 
  • Sind bereit zur verstärkten Zusammenarbeit mit den Mitschülerinnen und Mitschülern 
  • Sind bereit, Lehrerinnen und Lehrern zu helfen 
  • Haben Mut zum Scheitern (auch misslungene Unterrichtsversuche werden toleriert und weiterentwickelt) und zeigen Neugier, Freude und Motivation für das neue Lernen 

 

 

 

 

 

Pädagogische Konzeption zum Projekt „Zeitgemäß Lernen“

(Formuliert für den Träger)

Projektidee

Wir wollen untersuchen, wie sich das schulische Lernen im Zeitalter der Digitalisierung verändern muss, um Schülerinnen und Schüler zu befähigen, mit den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen kompetent umzugehen, und sie auf zukünftige Schlüsselprobleme vorzubereiten, mit dem Ziel der Mündigkeit und dem Handeln nach ethischen Prinzipien.

 

Was wir wollen

  1. Wir wollen neue technische Möglichkeiten (durch eine 1:1-Ausstattung mit Tablets und eine einheitliche Plattform zur Zusammenarbeit) zum Lernen nutzen.
  2. Wir wollen den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten geben, ihr eigenes mediales Handeln (auch im privaten Bereich) zu reflektieren und den Blick auf den Einsatz zu Arbeitszwecken richten lassen. Dazu gehören auch die Möglichkeiten der Trennung von Freizeit und Arbeit.
  3. Wir wollen die Anforderungen im Bildungsplan zur Leitperspektive Medienbildung umsetzen; dazu gehören auch die Fächer “Basiskurs Medienbildung” (Klasse 5) und der “Aufbaukurs Informatik” (Klasse 7).
  4. Viele Lerninhalte unseres Profilfachs “Mensch und Medien” sind in der Zwischenzeit für alle Schülerinnen und Schüler relevant geworden und sind in unser neu konzipiertes Methoden- und Mediencurriculum eingegangen. Wir wollen die neuen technischen Möglichkeiten für dessen Umsetzung nutzen und anhand dieser Erfahrungen das Profilfach weiterentwickeln.
  5. Wir wollen anhand des 4K-Modells des Lernens (Kommunikation, Kollaboration, Kreativität, Kritisches Denken) in unserem jeweiligen Fachunterricht prüfen, welche inhaltlichen Schwerpunktsetzungen sinnvoll sind. Dadurch wollen wir Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, später Berufe ausüben zu können, die heute noch nicht existieren.
  6. Wir wollen mithilfe des SAMR-Modells (Substitution, Augmentation, Modification, Redefinition) die erweiterten didaktischen Möglichkeiten, die sich in der Unterrichtsplanung ergeben, reflektieren.
  7. Wir wollen unsere vierteljährlichen pädagogischen Konferenzen für den Austausch über didaktische und pädagogische Fragen, die durch das veränderte Lernsetting entstehen, nutzen.
  8. Wir wollen diesen Prozess gemeinsam mit Eltern, Schülerinnen und Schülern und Kolleginnen und Kollegen begleiten und mithilfe der Trägerin evaluieren, um Erfahrungen auch für die anderen Schulen der Schulstiftung zu sammeln.

 

Was wir nicht wollen

  1. Wir wollen keine Voll-Digitalisierung des Unterrichts. Bewährte Unterrichtskonzepte und -methoden müssen und sollen erhalten bleiben, neue Methoden und Herangehensweisen sollen behutsam eingeführt, geprüft und ggf. etabliert und mit den bewährten Konzepten/Methoden kombiniert oder verbunden werden.
  2. Für jedes pädagogische Problem gibt es eine gesonderte App. Das ist gerade nicht unser Ansatz. Es geht um die Weiterentwicklung produktiver Arbeit an Inhalten. Im Vordergrund steht das Ziel (ggf. auch ein neues Ziel), nicht das Mittel dazu. Daher fokussieren wir uns zunächst auf möglichst wenige Programme.

 

Was wir schon wissen

  1. Wir wissen, dass diese pädagogische Konzeption nur vorläufig sein kann und regelmäßig mit den Erfahrungen des Projekts aktualisiert werden muss.
  2. Wir wissen auf Basis von Modellversuchen in der Schule, dass sich die Möglichkeiten der Zusammenarbeit, der Kommunikation über Lernprozesse und der Ergebnissicherung im Unterricht erweitern und von Schülerinnen und Schülern schnell und effektiv genutzt werden können.
  3. Wir wissen, dass sich das Lernen in der Gesellschaft stark verändert und auch schon bei den Schülerinnen und Schülern privat verändert hat (Gamification, auch in Unternehmen; Lernvideos; Vernetzung über soziale Medien auch zu Lernzwecken; Vermischung von formellem und informellem Lernen uvm.).
  4. Wir wissen, dass es neue pädagogische Herausforderungen geben wird. Dazu gehören u.a.
    1. Ablenkung durch die Geräte
    2. Addition der Bildschirmzeiten in der Schule und Zuhause
    3. Strukturierung des eigenen Lernprozesses, analog wie digital
  5. Wir wissen, dass wir Lehrerinnen und Lehrer eine veränderte Rolle haben werden, wenn alles Wissen potentiell immer zur Verfügung steht. Unser Fokus wird stärker auf der (Vor-)Strukturierung, Auswahl, Reduktion, Moderation und Begleitung von Lernprozessen liegen.
  6. Wir wissen, dass der Umgang mit Medien zu einem der Ankerpunkte des gemeinsamen Erziehungsauftrags zwischen Eltern und Schule geworden ist. Der Dialog darüber wird verstärkt werden müssen.

 

Was wir noch nicht wissen

  1. Wir wissen noch nicht, wie der Unterricht im Jahre 2025 aussehen wird, aber wir entwickeln eine Vorstellung davon, die die Grundlage dieses Projekts bildet.
  2. Wir wissen nicht, wie hoch der jeweilige Anteil an digitalen bzw. “analogen” Tätigkeiten und Lernprozessen sein wird, und wie stark gerade dann handwerklich-praktische Lernelemente vertreten sein sollten.
  3. Wir wissen noch nicht, ob die Lernergebnisse bei alten Zielen besser sein werden oder ob wir ganz andere Lernergebnisse bei neuen Lernzielen erreichen. Der Bildungsplan darf dabei nicht aus dem Blick geraten, sondern muss im Gegenteil Leitlinie für das unterrichtliche Handeln sein.