Ein Pädagogischer Tag zur Lehrergesundheit als Barcamp

Lehrergesundheit – ein Thema für Nörgler? Ein Thema für Jammerer? Und die dann auch noch beteiligen an der Planung und an der Durchführung eines solchen Tages? Und das soll noch konstruktiv werden?

Erhebung mit IEGL

Am Beginn stand das Bedürfnis des Kollegiums, die Lehrergesundheit als Jahresthema zu setzen und an mehreren Punkten im Jahr in den Fokus zu rücken – und die Sorge der Schulleitung, dass dies wenig hilfreich und eher kontraproduktiv sein könnte, wenn die Stimmung kippt und sich jeder dadurch umso mehr belastet fühlt.

Zu Beginn stand eine Erhebung, die im Zusammenhang  mit der großen Potsdamer Lehrerstunde entwickelt wurde und ein paar belastbare Zahlen für die Weiterarbeit bietet. Wo drückt der Schuh? Was sind die neuralgischen Punkte? Gleichzeitig muss man sagen, dass ein Kollegium meist ein sehr gutes Gespür dafür hat, an welchen Stellschrauben gedreht werden kann.

Weitere Informationen dazu gibt es hier: http://www.ichundmeineschule.eu/index.php?diagnostik-iegl

Die Erhebung wird praktisch zum Selbstkostenpreis angeboten und ist ein brauchbares Instrument für den Start.

Die Vorbereitungsgruppe

Die Ergebnisse der Erhebung wurden dann dem Schulleitungsteam vorgestellt, welches sie für eine Arbeitsgruppe freigegeben hat, die in diesem Prozess als Steuergruppe dient. Sie war zusammengesetzt aus jung bis alt und bestand aus besonders Interessierten am Thema Lehrergesundheit, weil sie bereits besonders gut auf sich achten oder weil sie sich selbst Orientierung erhofften. Die Mischung macht’s, wie immer.

Eine Ausnahme: Individuelle Rückmeldungen, die in der Erhebung ebenfalls möglich waren, blieben im Rahmen der Schulleitung. Aus diesen wurde weitere „Werkstätten“ für das spätere Barcamp abgeleitet.

Mithilfe eines Moderators aus dem IEGL-Programm wurden die Ergebnisse dann gedeutet. Eine Erkenntnis war, dass wir eine sehr gesunde Schule sind (verglichen mit dem Schnitt aus der Potsdamer Lehrerstudie), aber dass es natürlich Arbeitsfelder gibt, die die KollegInnen aber konkret benennen können und für die sie sogar schon Lösungsvorschläge einbringen. Demnach konnte der pädagogische Tag auch quasi ohne externe Hilfe gestaltet werden. Dies war allerdings auch die Voraussetzung dafür.

Der Pädagogische Tag als Barcamp

Es wurde schnell klar, dass der Tag zwei Perspektiven benötigt: Den Blick auf die Organisation und individuelle Angebote. Immer wichtig bei einem Barcamp: Gutes Essen und Getränke, eine straffe Zeitplanung und gute Protokolle. Mindestens genauso wichtig: Aktive Teilnehmer (ggf. Anbieter von Sessions). Die Sessions heißen bei uns „Werkstätten“, damit kann man ein Kollegium eher überzeugen. Die Themen der Werkstätten waren durch die Studie vorgegeben, wurden als offene Liste vorher ausgehängt, durften durch das Kollegium priorisiert und ggf. erweitert werden. Wichtig war uns, dass keine Interpretation vorgenommen wurde.

Zwei Beispiele für Werkstätten (abgeleitet von der Erhebung):

Werkstatt 1: Erfreuliche Ergebnisse der Studie – Das Kollegium empfindet eine hohe sozial-emotionale Unterstützung / Die Zusammenarbeit mit SchülerInnen und Eltern wird als positiv empfunden.

Werkstatt 2: Es fehlen Erholungsmöglichkeiten an der Schule.

Es gab weitere durchaus brisante Werkstattthemen (insgesamt 11 Themen in 15 Werkstätten, also jeweils 7-8 parallel), die aber alle sehr konstruktiv gearbeitet haben. Der Schlüssel ist m. E. ein gutes Protokoll und eine Fragestellung, die genau diese Lösungsorientierung in den Vordergrund rückt.

Die Wahl der Werkstätten fand per „Abstimmung mit den Füßen“ statt. Zentrale Themen waren in jeder Werkstattschicht im Angebot, so dass eine Gruppe z.B. vorarbeiten konnte und eine andere dort weitergemacht hat. Weitere Vorgaben gab es nicht, die Gruppen organisierten sich selbstständig.

Hier mal das Programm: Pädagogischer Tag 2016

Und hier das Protokoll der Werkstätten: Sessions Protokolle Dokumentation

Wir haben den Bereich zu den „Problemen“ bei Positiv-Werkstätten durch „Gründe“ und  den Bereich „Lösungsmöglichkeiten“ durch „Ausbaumöglichkeiten“ ersetzt.

Die Protokolle wurden kurz vorgestellt, zentral ausgehängt, digitalisiert und per Mail an alle verschickt.

Die Ergebnisse gehen jetzt ins Schulleitungsteam und von da aus wieder in die zentrale Lehrerkonferenz (bei uns Lehrerrat genannt), wo konkrete Beschlüsse gefasst werden können. Manchmal geht es aber auch um Stellschrauben, die die Schulleitung selbst drehen kann.

Tipps für ein Barcamp mit dem Lehrerkollegium

Wer so etwas wie ein „Barcamp“ machen möchte, dem würde ich empfehlen, auf zu viel hippes Vokabular zu verzichten, gründlich das Prinzip zu erläutern und die Chance zu betonen, das eigene Thema auf die Agenda zu bringen. Wir haben es mit einem kurzen Film zum Barcamp-Prinzip sowie einem kurzen Handzettel erläutert.

Eine Werkstatt anbieten – Wie funktioniert das

Heute, am Tag danach, sprach mich eine sehr erfahrene Kollegin an und sagte, dass sie ja krankheitsbedingt die Werkstätten-Tagung am Schuljahresende (unser erster  Versuch mit insgesamt 42 durch KollegInnen angebotene Werkstätten) verpasst hätte und bei dem Prinzip „Barcamp“ skeptisch gewesen sei, aber es sei richtig toll gewesen. Und das finde ich wiederum toll.

Hier noch ein paar Eindrücke vom Start in den Tag, der Frage, was uns Kraft für den Alltag gibt:

Evernote Snapshot 20160229 095609

 

 

 

 

 

 

Hausaufgaben und Schulentwicklung

Thema des heutigen #edchatDE ist die Rolle der Hausaufgaben, in Österreich übrigens ehrlicherweise „Hausübung“ genannt, denn die Aufgaben kann man ja nicht neu erarbeiten, sondern man übt bereits Gelerntes, oder? Inzwischen ist das dank des Konzepts „Flipped Classroom“ natürlich nicht mehr so eindeutig, aber dazu haben andere mehr zu schreiben.

Wir haben unsere Klassen 5-7 auf Anregung der Eltern gefragt, ob Hausaufgaben überhaupt ein Problem sind. Ergebnis:

  • 62% der SchülerInnen schaffen Ihre Hausaufgaben in der Regel innerhalb von 30 min
  • 82% erledigen die HA sofort oder schaffen es, sie machbar zu verteilen
  • Stress, der durch HA entsteht, kommt durch die Menge, aber auch durch die SchülerInnen selbst, weniger durch Eltern oder Lehrer

Als Ganztagsschule sind uns einige Prinzipien wichtig (und zum Teil auch gesetzlich vorgeschrieben):

  1. An Tagen, die in den Nachmittag hineingehen (bei uns Montag, Dienstag und Donnerstag) dürfen keine Hausaufgaben auf den nächsten Tag gegeben werden.
  2. Die Nebenfächer sollten HA ganz vermeiden, außer sie sind dringend für ein längeres Projekt notwendig.
  3. Umfangreiche Angebote in unserer 2-stündigen Mittagspause und am Ende des Tages ermöglichen es allen SchülerInnen, ihre HA in der Schule zu erledigen.
  4. Die SchülerInnen lernen mit dem Alter zunehmend, ihre HA-Stunden selbst zu organisieren. Zuerst führen sie noch ein HA-Tagebuch, was die Aufsichten abzeichnen, später wird dies immer freier gestaltet.

Ein Kommentar als Englischlehrer zum Schluss: Die meisten Übungsformen kann ich auch mit nur 3 Stunden pro Woche Englisch in den Unterricht integrieren. Ich muss die SchülerInnen dazu bekommen, eigenständig mehr im Privaten mit Englisch zu tun haben zu wollen. Eine einzige Sache habe ich bisher noch nicht ausschließlich in den Unterricht verlagern können: Das Lernen von Vokabeln, auch wenn diese ständig Thema sind. Dafür gibt es einfach nicht ausreichend Übungszeit.

Das Drama mit den Lernplattformen – oder: Wie fange ich trotzdem an?

Als digital denkender und auch gerne so arbeitender Lehrer wird man im Schulalltag weiterhin mit der fast vollständig analogen Realität konfrontiert: Klassenlisten, Kurznotizen der Kollegen, Kopien für die SchülerInnen, Klausuren, Hausarbeiten, z. T. sogar Notenlisten (!): Alles analog.

Und wer kommt da auf die verrückte Idee, mit einer Lernplattform zu arbeiten?

Zunächst mein Verständnis einer solchen Plattform: Sie bietet mehr als ein simpler Cloud-Speicher (wie Dropbox und Konsorten), nämlich passwortgeschützte Kurse, Upload-Möglichkeiten für alle, Kooperationstools zum gemeinsamen Erstellen von Lerninhalten, Chats bzw. Kommunikationswege. Viele sagen jetzt: Moodle!

Warum kein Moodle?

  1. Es ist kompliziert in der Installation, Einrichtung, Wartung und Nutzung. In der Schulentwicklung ist es bei einem Innovationsschritt immer nötig, das Kollegium dadurch mitzunehmen, dass erstens ein Mehrwert erkennbar ist und zweitens die Hürden der Nutzung möglichst gering sind. Beides ist hier nicht der Fall. Wir haben einmal einen Schul-Wiki ausprobiert: Die KollegInnen waren bereit dazu, diesen mitzuentwickeln, aber die Formatierung war zu kompliziert. Nach 1 Jahr gab es nur noch 3 Nutzer. Was nicht einfach geht, geht einfach nicht. 
  2. Es ist hässlich. Ja, ich weiß, es gibt Skins und Möglichkeiten, Moodle ansprechend zu gestalten, aber, seien wir ehrlich: Wenn die Plattform nicht dem Standard von Facebook etc. entspricht, brauchen wir nicht anzufangen, denn die SchülerInnen haben da (zurecht) einen gewissen Anspruch entwickelt. Lernen darf auch “schön” sein.

Was bleibt sonst?

Mir gefällt Google Classroom, aber ich darf es aus Datenschutzgründen nicht nutzen. Die Schulen in skandinavischen Ländern nutzen itslearning. Das sieht schon recht ordentlich aus, und wird wohl auch inzwischen im Bundesland Bremen genutzt. Dann gibt es noch Edmodo (ist das legal in Deutschland?) und viele weitere, die aber noch keine Verbreitung gefunden haben.

 

Unser Stand

Wir sind bereits weit fortgeschritten in der Digitalisierung unserer Schule:

  • Alle Räume mit Beamer, Computer, Dokumentenkamera und W-Lan.
  • Freies W-Lan für SchülerInnen
  • Neue Nutzungsordnung für ebendieses für BYOD
  • Elektronisches Tagebuch für die Oberstufe
  • Elektronische Stunden- und Vertretungspläne (mit Untis)
  • Elektronische Raumbuchung
  • Die SchülerInnen nutzen allerlei Cloud-Dienste zur Kollaboration
  • Wir nutzen vereinzelt Etherpads
  • Wir haben Schultablets.

Und wann kommt die (einfache) Plattform als zentrale Anlaufstelle?

Ich arbeite derzeit wie Monika Heusinger zunächst mit Google Drive, niederschwellig, aber so haben die SchülerInnen immerhin erstmal alle relevanten Inhalte im Zugriff (auch ohne Login) und diejenigen mit Google-Account können auch Inhalte hinzufügen. Ohne Namensnennung bleibt auch der Datenschutz gewahrt. Der Rest läuft über ZumPads und per Mail. Unbefriedigend, aber ein Anfang.

Sinn und Unsinn dieses (bzw. eines) Blogs

Hallo zusammen!

  • Braucht es noch einen Lehrerblog? Vermutlich nicht.
  • Braucht es noch mehr Gedanken aus dem Schulalltag? Vielleicht.
  • Braucht der Autor dieses Textes Raum zur Reflexion? Sicher.

Dieser Blog dient zur Erweiterung meines privaten Lernnetzwerks (PLN). Ich möchte meine Beiträge zu Blogparaden reflektierender Praktiker leisten, von denen ich selbst so viel profitiere.

Und vielleicht kann ich als Schulentwickler auch noch eine zusätzlich Facette in die Diskussionen einbringen: die konkrete Umsetzungsperspektive und die Frage, wie der Prozess organisiert wird. Das ist jedenfalls meine Hoffnung.

Danke fürs Lesen, danke für die Diskussionen, schon jetzt.